Was ist die Posturologie für eine medizinische Disziplin? Sie hat nichts mit der Urologie zu tun - wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Vielmehr geht es um die "globale Reprogrammierung des Haltungssystems".
Zur Posturologie entschließen wir uns häufig, wenn bisherige Therapien schulmedizinischer oder komplementärmedizinischer Art keinen zufrieden stellenden, durchgreifenden, bleibenden - vielleicht auch gar keinen - Erfolg bei fortbestehenden Beschwerden gebracht haben.
Warum? Die allermeisten Therapien - ganz gleich ob schulmedizinisch oder komplementär (auch. die Akupunktur, die Neuraltherapie und die manuelle Therapie) sind zunächst symptomatische Therapien, das heißt, sie sind primär auf die Behandlung, die Beseitigung des Symptoms gerichtet und haben weniger die Ursache der Beschwerden im Fokus. Damit wollen wir nicht sagen, dass Akupunktur, Neuraltherapie und manuelle Therapie nicht wichtig oder nicht effektiv sind; wann immer aber Beschwerden nach komplexen Behandlungsstrategien nicht verschwinden oder aber wiederkehren, macht es Sinn nach der Ursache zu fahnden.
Langwährende Fehlbelastungen des Halte- und Bewegungsapparates führen zu abnormalen mechanischen Muskelspannungen. Über 90% der Schmerzsymptome des menschlichen Bewegungsapparates haben muskuläre Ursachen. Die Folgen sind Bewegungseinschränkungen, Versteifungen, verminderte Muskelleistung, Blockierungen von Wirbeln und Gelenken, Durchblutungsstörungen, vielfältige Schmerzsyndrome. Die einzig wirklich ursächliche und damit auch effektive Therapie kann daher nur die bestmögliche Wiederherstellung der Idealposition des Körpers im Raum - der sogenannten Postur - sein.
Wie kommt es eigentlich zu einer solchen Fehlhaltung und wie können wir diese korrigieren?
Nun, jede Information von unseren Stellungsrezeptoren - gleichgültig ob richtig oder falsch - wird von unserem Gehirn immer auf die gleiche Weise verarbeitet und verwaltet. Fehlinformationen führen zu einer Anpassung unserer Haltung - zu einer Fehlhaltung - die von unserem Gehirn allerdings von diesem Moment an als richtig angesehen wird. Unser gesamtes Haltungssystem funktioniert nun mit diesem "fehlerhaften Programm".
Aufgabe der Posturologie ist es das fehlerhafte Programm zu korrigieren, quasi zu reprogrammieren. Posturologie ist also Haltungslehre. Sie basiert auf mittlerweile dreißig Jahren medizin-wissenschaftlicher Grundlagenforschung und ist bei unseren französischen Nachbarn seit über zwanzig Jahren etabliert, hierzulande hingegen noch eine ganz junge medizinische Fachdisziplin.
Beschwerden wie beispielsweise Schmerzen und Entzündungen des Bewegungsapparates, Skoliose, Bandscheibenschäden, Kopfschmerzen, Schwindel, Kiefergelenkstörungen, Fibromyalgie, chronische Erschöpfungssyndrome müssen wir nun nicht mehr als unvermeidbare Schicksalsschläge verstehen. Sie sind vielmehr Folge von Fehlbelastungen und somit Ausdruck einer "Haltungskrankheit".
An einer Haltungsstörung sind immer (wenigstens) 2 Strukturen beteiligt: die Kopfgelenke und die Füße. Dabei erhalten die Kopfgelenke ihre wesentlichen Informationen zum einen von den Augen, zum anderen von den Kiefergelenken. Insofern werden wir uns also bei der Reprogrammierung der Haltung auf diese Strukturen ganz besonders konzentrieren. Therapiehindernisse - beispielsweise Blockierungen der Wirbelsäule und Gelenke, Schwermetallbelastung, Unverträglichkeiten, Narben etc. - müssen erkannt und beseitigt werden. Dabei hilft uns die Applied Kinesiology (siehe spezielles Info-Blatt) sowie die manuelle Therapie (Chirotherapie und Osteopathie) verbunden mit der Akupunktur und Neuraltherapie.
Posturologie ist also eine sehr komplexe Wissenschaft und insofern auch sehr zeitaufwendig. Und - mit einer Behandlung ist es zumeist nicht getan. Therapiekontrollen und ggf. therapeutische Zusätze, wie Schuheinlagen, Übungsmaterialien für Augen und Muskeln, evtl. gar eine Korrekturmaßnahme für die Kiefergelenke - all dies kann erforderlich werden. Rechnet man dies alles jedoch auf weitere Jahre mit therapiebedürftigen, die Lebensqualität beeinträchtigenden (und vielleicht auch kostenintensiven) Beschwerden hoch, dann ist diese Methode vergleichsweise preiswert.
Die posturologische Diagnostik und Therapie ist eine Selbstzahlerleistung entsprechend der Gebührenordnung für Ärzte.