Die Homöopathie ist eine spezifische Reiztherapie, deren Ziel die Stimulation der selbstregulatorischen Aktivität des Organismus ist. Es handelt sich um eine gezielte individuelle Arzneimitteltherapie. Die drei Grundprinzipien der Homöopathie sind:
Die Homöopathie versucht bei der Diagnose das gesamte individuelle Symptomenbild des Patienten zu berücksichtigen, da dieses in seiner Gesamtheit als Ausdruck der Verstimmung der Lebenskraft gilt. Zu den Symptomen zählen alle Abweichungen vom früheren gesunden Zustand des Patienten, die durch Befragung des Kranken zugänglich sind. Dabei sind auch die kleinsten Symptome oder Befindlichkeitsänderungen sowie die Umstände der Verbesserung oder Verschlimmerung wichtig.
Im Gegensatz zu anderen Naturheilverfahren ist der Homöopathie bisher eine wissenschaftliche Anerkennung versagt geblieben, was im Fehlen eines vollständigen Erklärungsmodells sowie in Widersprüchen zu den bisher geltenden wissenschaftlichen Erkenntnissen begründet ist.
Begründet wurde die Homöopathie von dem 1755 geborenen Samuel Hahnemann. In seinem Buch Organon schrieb Hahnemann 1810 seine gewonnenen Erkenntnisse nieder. Er lehnte die Suche nach einer inneren, unsichtbaren Krankheitsursache ab. Er legte vielmehr Wert auf eine genaue Beobachtung der der Veränderungen im körperlichen und seelischen Befinden durch den Arzt, den Patienten und dessen Umgebung. Hahnemann verstand unter Krankheit die Störung einer geistartigen Lebenskraft (Dynamis). Heute würde man von einer Störung im biokybernetischen System sprechen. Bestimmte Noxen (äußere Einflüsse, Gifte, Krankheitserreger) führen nur bei einer entsprechenden Empfänglichkeit (Sensibilität) zu Krankheiten. Hahnemann betrachtet Krankheiten ganzheitlich. Auch streng lokalisierte Leiden hängen von einer Krankheit des übrigen Körpers ab und sind als untrennbarer Teil des Ganzen anzusehen.
Therapiert wird nach der Ähnlichkeitsregel (simila similibus curentur). Das bedeutet, dass ein Arzneimittel, welches bei einem gesunden Menschen dieselben Symptome erzeugt die ein Kranker hat, ihn heilt.
Um dieses Arzneimittel zu finden, bedarf es vorher einer sorgfältigen Prüfung.
Für die Prüfung nehmen die gesunden Probanden in regelmäßigen Abständen mehrer Tage bis Wochen das zu prüfende Arzneimittel ein. Während dieser Zeit sollen sie sämtliche Veränderungen oder Störungen, die sie an ihrem Körper, Geist, Befinden oder in der Stimmung wahrnehmen und notieren. Sie halten außerdem während dieser Zeit Kontakt zu einem betreuenden Homöopathen, der die ihm geschilderten Symptome ebenfalls notiert. Am Ende der Prüfung werden die Notizen von den Prüfungsleitern ausgewertet und einem homöopathischen Symptomregister zugeordnet. Das Ergebnis ist dann das Arzneimittelbild dieser bestimmten Arznei. Sämtliche Arzneimittelbilder werden in Arzneimittellehren (Materiae medicae) zusammengefasst.
Ausgangsprodukte von Arzneimitteln können sämtliche organische und anorganische Stoffe wie z.B. Pflanzen, Tiere, Mineralien, chemische Elemente sein. Sie werden nach einem von Hahnemann genau festgelegten Verfahren hergestellt Durch Verreibungen mit Milchzucker und Verschüttelungen mit Alkohol und destilliertem Wasser (Dynamisierung) werden durch Verdünnung (Potenzierung) diese Arzneien gewonnen.
Dabei spricht man von D-Potenzen (Verdünnung in 10er Schritten), C-Potenzen (Verdünnung in 100er Schritten) oder Q-Potenzen (Verdünnung in 50000er Schritten).
Die Wirkkraft des Arzneimittels ergibt sich also nicht aus der materiellen Substanz sondern durch die in der Substanz verborgenen dynamischen Kräfte, die durch das Potenzieren erst gewonnen werden.
Neuere physikalische Studien haben ergeben, dass Wasser geordnete Haufen bildet (Cluster). Diese Cluster stellen stabile kristallartige Strukturen dar. Aufgrund dieser physikalischen Eigenschaften können sie als Informationsspeicher fungieren. Die Energiezufuhr durch das Schütteln könnte die bestehenden Molekül-Cluster des Lösungsmittel zum Teil zerbrechen, worauf sich neue Cluster-Strukturen bilden, die sich nach der potenzierten Ausgangssubstanz richten. Es wird also ein Ordnungszustand geschaffen, der mit jedem Potenzierungsschritt weiter zunimmt, selbst dann wenn keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr vorhanden sind. Dies könnte die Wirksamkeit homöopathischer Hochpotenzen erklären.
Nebenwirkungen der homöopathischen Therapie sind nicht bekannt. In einzelnen Fällen kann es jedoch zu der so genannten homöopathischen Erstverschlimmerung, d.h. einer vorübergehenden Verschlimmerung der Symptomatik kommen.