"Chirotherapie" ist eine ärztliche Zusatzbezeichnung, die von den Ärztekammern vergeben wird, wenn der Arzt über die schulmedizinische Ausbildung hinaus eine spezielle chirotherapeutische Weiterbildung abgeleistet hat. Nur Ärzte die einen entsprechenden Nachweis erbracht haben, dürfen sich diese Zusatzbezeichnung auch führen.
Trotzdem gilt die Chirotherapie bei vielen Schulmedizinern auch heute noch als komplementärmedizinische manuelle Behandlungsweise. Dabei ist moderne Chirotherapie mehr als ausreichend wissenschaftlich belegt.
Ging man früher noch davon aus, dass durch die chirotherapeutische Manipulation oder Mobilisation ein "subluxiertes" - quasi ausgerenktes, blockiertes - Gelenk mechanisch wieder hergestellt wird, so wissen wir heute, dass für die Blockierung der Gelenkfunktion sog. "Nozizeptoren" - spezielle nervale Fühler - die entscheidende Rolle spielen. Durch einen gezielt gesetzten Impuls am blockierten Gelenk setzt der Behandler auch einen gezielten Reiz am "Nozizeptor", der dadurch gewissermaßen einen "Reset" erfährt und die das Gelenk durch Verspannung blockierenden Muskeln wieder entspannt. Durch diesen Prozess wird das muskulär schmerzhaft blockierte Gelenk wieder freigegeben.
Große und grobe Kräfte sind bei der chirotherapeutischen Manipulation nicht angezeigt. Vielmehr gelten die drei Grundprinzipien: kleine Kraft, kurzer Weg, kurze Zeit. Chirotherapeutische Manipulationen werden an der Wirbelsäule - hier dürfen sie nur von Ärzten ausgeübt werden - und an den Extremitätengelenken eingesetzt. Neben der Manipulation werden in der Chirotherapie auch mobilisierende Techniken verwandt. Dabei wird durch sanfte, sich häufig wiederholende Dehnungsbewegungen die Gelenkbeweglichkeit verbessert oder wieder hergestellt.
Chirotherapie ist eine klassische "Kassenleistung", wird also im Gegensatz zur sanften Osteopathie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Im Sinne komplexer Behandlungsstrategien wird die Chirotherapie gerne von Akupunktur und/oder Neuraltherapie begleitet.