Natürlich gibt es auch in der westlichen Medizin eine Kräuterheilkunde, allerdings, auch sie ist zunächst einmal genauso wie die westliche Chemopharmazie primär auf die chemische Analyse der Inhaltsstoffe ausgerichtet. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden die Kräuter nach energetischen Einordnungsprinzipien beurteilt, sie gelten als Mittel, die uns mit der kosmischen Lebenskraft verbinden. Die Heilung erfolgt durch genau diese kosmische Lebenskraft, die Heilkraut - besser Heilkräuter - und Individuum zu einem Ganzen macht.
Chinesische Heilkräuterrezepte zeichnen sich häufig durch eine für den westlichen Geschmack ungewöhnlich hohe Anzahl an einzelnen Heilkräutern aus. Sie erheben damit den Anspruch auf eine möglichst umfassende Heilung, indem sie möglichst viele Organfunktionen anregen bzw. gesund wieder herstellen will. Vor allem die Rezepturen bei chronischen Beschwerdebildern sind sehr vielschichtig und umfangreich. Akute Beschwerdebilder werden hingegen auch schon einmal mit einzelnen, zumindest wenigen Kräutern behandelt.
Auch die Einnahmezeit einer solchen Rezeptur richtet sich nach der Dauer der Beschwerden, je länger die Vorgeschichte desto länger die Einnahmezeit. Als Faustregel dient dabei eine einmonatige Einnahme bzw. Anwendung für jedes Beschwerdejahr. Die Chinesische Phytotherapie erfordert also insbesondere vom Chroniker Geduld, eine Gabe, die in unserer westlichen Welt rar geworden ist. Wir machen zu gerne den Fehler, die Wirkung chinesischer Rezepturen nach "unseren" Kriterien einzuordnen, rasche Linderung der Symptome ohne Rücksicht auf die häufig begleitende Unterdrückung sinnvoller körpereigener Prozesse. Nach viel zu kurzer Einnahmedauer einer chinesischen Rezeptur werfen wir die Flinte ins Korn und verspielen so leichtfertig die Chance, als "ganzer Mensch" zu gesunden.
Recht lustig liest sich die typische Zusammensetzung einer chinesischen Kräuterrezeptur: "Kaiser" sind Kräuter, meist ein Einzelkraut, die auf das wichtigste Symptom wirken. Der Kaiser dominiert die Rezeptur, aber er benötigt für die Durchsetzung seiner Ziele "Minister". Sie unterstützen den Kaiser in seiner Hauptwirkung, konzentrieren sich auf das Wesentliche und überlassen die Bearbeitung begleitender Symtome den "Assistenten". Alle drei gemeinsam brauchen noch als Vehikel den "Übermittler", der für die Wirkung am richtigen Platze nd in der richtigen Richtung sorgt.
Viele chinesische Originalkräuter sind sehr teuer, manche Rezepte enthalten geschützte tierische Produkte. Daher haben wir uns die Mühe gemacht und die häufigsten chinesischen Rezepturen alternativ ins westliche Kräuterreich übersetzt.